< PreviousFoto: Gatzka Das steht im Februar & März an JAHN FEBRUAR 14.02. | Sa16.30 Uhr24. Spieltag | gegen Rot-Weiss-Essen 14.02. | Sa12 UhrU21-Testspiel | gegen die DJK Ammerthal (H) 16.02. | MoJahn Landkreistage im LK Straubing | Geiselhöring 17.02. | DiJahn Landkreistage im LK Straubing | Rain 17.02. | DiGeburtstag | Ben Kieff er (18) 21.02. | Sa14 Uhr25. Spieltag | gegen den SV Wehen Wiesbaden 21.02. | Sa16 UhrU21-Testspiel | gegen den SV Schalding Heining (H) 28.02. | Sa14 Uhr26. Spieltag | gegen den SSV Ulm 28.02. | Sa16 UhrU21 Spiel | gegen den FC Coburg (H) MÄRZ 01.03. | SoGeburtstag | Felix Gebhardt (24) 03.03. | Di19 Uhr27. Spieltag | gegen den SC Verl 06.– 08.03.28. Spieltag | gegen den Vfl Osnabrück 06.– 08.03.Veröff entlichung neue Jahnzeit 07.03. | Sa16 UhrU21 Spiel | gegen SV Fortuna Regensburg (H) 11 JAHNZEITAUSGABE FEBRUAR | 2026" Trainiere, als hättest du noch nie gewonnen" Felix Strauss im Titelinterview Foto: KöglmeierTITELEr ist erst 24 Jahre alt, doch seine Vita liest sich bereits wie eine Europareise des Profifußballs. Von der Elite-Akademie bei Red Bull Salzburg über die Kälte Finnlands und die Strände Bulgariens führte sein Weg im Sommer zum SSV Jahn. Felix Strauss hat sich in kürzester Zeit zum Abwehrchef und Laut- sprecher entwickelt. In der Jahnzeit spricht er ungewohnt of- fen über den Preis des Profi-Traums, rostige Hanteln und war- um er sich in Regensburg so wohl fühlt. Jahnzeit: Felix, wir wollen ganz vorne anfangen. Deine Ausbildung hast du in der RB Akademie durchlaufen – ein Ort, der auf maximale Effizienz, Leistungsgedanken und Kommerzialisierung getrimmt ist. Fühlt man sich dort als junger Mensch manchmal in dem Konstrukt verloren, oder herrscht gar die Angst, keine Fehler machen zu dürfen? Felix Strauss: Als ich damals bei Red Bull Salzburg in der Akademie war, war der Leistungsdruck natürlich immer da. Für mich als gebürtigen Salzburger hat es sich trotz- dem nach Heimat angefühlt, weil es immer mein Ziel und Traum war, dort zu spielen und es als Profi zu schaffen. Über die genauen Umstände machst du dir als Jugendlicher mit diesem Ziel wenig Gedanken. Wenn ich jetzt zurückblicke, wird mir aber erst bewusst, was das einen an Energie ge- kostet hat. Wir hatten am Montag einmal Training, Diens- tag zweimal Training, dazwischen Schule. Mittwoch war trainingsfrei, aber Schule bis 16.30 Uhr. Donnerstag zwei- mal Training, danach Schule von 18.00 bis 21.30 Uhr – und das nach zwei Einheiten und der Fachschule dazu. Frei- tag Training, Samstag Spiel. Du hattest eigentlich nur den Mittwochnachmittag und den Sonntag frei. Zeit für Familie „Ich habe schnell gelernt, bei Rückschlägen im Kopf klar zu bleiben und mein Ziel weiterzu- verfolgen.” Foto: crs.view oder Freunde gab es kaum. Aber zu dem Zeitpunkt war es sicherlich die beste Ausbildung, die möglich gewesen wäre. Wir hatten eine Akademie, die 80 Millionen Euro gekostet hat, mit Eishockey-Bereich und Top-Trainern. Das war schon sehr besonders. Ist dieser Verzicht der Preis, den man zahlen muss, um am Ende von Bedingungen zu profitieren, die es so im deutsch- sprachigen Raum kaum ein zweites Mal gibt? Ja, du musst verzichten, um dorthin zu kommen. Bei RB ist der Leistungsdruck einfach noch einmal höher als anders- wo. In unserer U18 hatten wir zwölf Nationen – das kannst du mit einer U19 hier vergleichen. Das ist schon brutal. Bei der zweiten Mannschaft saßen bei der Videoanalyse dann mehrere Übersetzer drin: Einer für Französisch, einer für Ja- panisch, einer für Portugiesisch. Der Trainer spricht vorne Deutsch und du hörst im Hintergrund die Übersetzer. Das ist eine andere Welt. Alles ist darauf getrimmt, dass du Pro- fi wirst. Aus meinem Jahrgang sind von rund 20 Spielern sicher 13 Profis geworden. Als die neue Akademie aufge- baut wurde, hieß es noch, ein bis zwei Spieler schaffen es pro Jahrgang. Innerhalb von sieben Jahren hat sich das so entwickelt, dass fast jeder Jahrgang sieben bis zehn Profis hervorbringt. Du hast mit späteren Weltstars wie Dominik Szoboszlai oder Erling Haaland zusammengespielt. Was schaut man sich von solchen Ausnahmekönnern ab? Gibt es da be- stimmte „Codes“? Was uns alle getrieben hat, war diese absolute Leidenschaft und Faszination für den Fußball. Nimm Dominik Szoboszlai: Der war damals außerhalb des Platzes ein absoluter Kinds- 14 JAHNZEITAUSGABE FEBRUAR | 2026kopf, hat nur Blödsinn gemacht. Aber auf dem Platz gab es für ihn nichts anderes als Gewinnen und Perfektion. Er wollte jede Aktion bestmöglich abschließen. Oder Haaland: Mit dem hatte ich nicht so viel zu tun, aber ich habe einmal ein Test- spiel mit ihm gemacht gegen Vorwärts Steyr aus der zweiten Liga während einer Länderspielpause. Der ist marschiert, als wäre es ein Champions-League-Spiel. Diese brutale Einstel- lung imponiert dir. In so einem Umfeld ist die Qualität so hoch, dass es dich mitnimmt und sofort auff ällt, wenn du mal zwei, drei Tage abfällst. Dein Bruder Simon war ebenfalls bei RB und dir ein paar Jahre voraus. Hat dir das geholfen, das System besser zu verstehen? Das war spannend. Anfangs hieß es immer: „Spiel so wie dein Bruder.“ Ich musste erst einmal zeigen, dass ich das auch kann, wie der Simon. Er galt immer als das große Talent. Aber am Ende konnte ich aus seinen Fehlern lernen. Er musste einen herben Rückschlag einstecken: Er hatte schon einen Jahr- gang höher gespielt, wurde dann aber zurückversetzt zu den Gleichaltrigen und saß plötzlich auf der Bank. Er hat die Welt nicht mehr verstanden. Da habe ich gelernt, dass man bei Rückschlägen im Kopf klar bleiben und sein Ziel weiterverfol- gen muss. Du hast deinen ersten Vertrag sehr früh unterschrieben. Wie real ist das für einen Teenager? Ich habe meinen ersten Jungprofi -Vertrag mit 14 Jahren un- terschrieben. Da mein Bruder das alles schon durchgemacht hatte, wussten meine Eltern und ich, wie man mit Managern spricht oder Vertragsgespräche führt. Du wirst in dem Mo- ment extrem schnell erwachsen. Du lernst mit 14 Situatio- nen kennen, die andere erst mit 22 oder 23 erleben. Das ist eine ganz andere „Life-Experience“, mit der du ins spätere Leben gehst. Natürlich gibt es auch kniffl ige Situationen, wo man im Nachhinein sagt, das hätte man anders lösen können. Nach deiner Zeit im „RB-Kosmos“ ging es für dich zu Vik- toria Köln in die U19 mit einem Profi vertrag. Dennoch ein Kulturschock im Vergleich zu den Top-Bedingungen davor? Ich wollte so schnell wie möglich in den Profi fußball, das war mein einziges Ziel. Natürlich denkst du zuerst, bei Red Bull ist alles einfacher. Dort liegen Bananen und Äpfel bereit, der Proteinshake ist gemixt, die Ernährungsberaterin hat gekocht – Suppen, Salate, zwei Hauptspeisen. Bei der Viktoria trainierst du und musst dir danach selbst überlegen: Was esse ich jetzt? Ich stand dann im Kraftraum von Viktoria Köln – so ein Zelt, alte Geräte, ganz anders als gewohnt. Aber ich habe mir gedacht: Der Raum ist zwar 2000 Quadratmeter kleiner und nicht High- tech, aber die 20-Kilo-Hantel wiegt hier genauso viel wie in Salzburg. Den Aufwand muss ich bringen, egal ob die Scheibe neu ist oder 50 Jahre alt. Das habe ich für mich entdeckt: Es liegt immer an einem selbst, wie man die Situation nutzt. Foto: Gatzka Foto: KöglmeierFoto: Köglmeier JAHNZEITAUSGABE FEBRUAR | 2026Dann kam Corona. Alles wurde auf Pause gedrückt. Wie ab- surd war diese Situation für jemanden, der immer nur „hö- her, schneller, weiter“ kannte? Das ging extrem schnell. Plötzlich hieß es „trainingsfrei“ und ich bin heimgefl ogen. Ich habe die Zeit eigentlich sehr ge- nossen, war viel in den Bergen und im Wald spazieren. Das Riesenproblem war aber die Ungewissheit. Viktoria Köln teil- te mir mit, dass sie sparen müssen, keine jungen Legionäre mehr wollen und meinen Vertrag nicht verlängern. Das war natürlich keine leichte Situation. Zum Glück kam dann der Kontakt zu Blau-Weiß Linz zustande. Mit Linz bist du direkt aufgestiegen, mit 19 Jahren. Hat dir das gezeigt, dass eine Karriere nie geradlinig verläuft? Absolut. Als ich zu Blau-Weiß Linz kam, war das eine schwie- rige Situation, die hatten gerade mal neun Spieler unter Ver- trag. Keiner wusste genau, wie es weitergeht. Und am Ende spielst du so eine Saison und steigst auf. Das zeigt: Fußball ist Fußball, es kann alles passieren. Von dem Moment bei Viktoria, wo ich dachte „Scheiße, das war nicht das, was ich wollte“, hin zu „Cool, ich habe mich etabliert“. Man wächst als Persönlichkeit brutal daran. Aber man muss lernen, mit solchen Dingen umzugehen – genau wie damals bei Red Bull, als sie nach sieben Jahren meinen Vertrag nicht verlängert haben. Man stellt sich viele Fragen: Warum bin ich nicht in ein anderes NLZ gegangen? Aber es kommt sowieso so, wie es sein soll. Später in Altach war Miroslav Klose dein Trainer. Ist man da gefl asht, wenn plötzlich ein Weltmeister vor einem steht? Ja, das ist schon cool. Freunde haben mir geschrieben: „Wahnsinn, Weltmeister, Rekordtorschütze, da kannst du si- cher viel mitnehmen!“. Die ersten Tage schaust du noch auf Wikipedia nach, wie viele Tore er wirklich gemacht hat, und er erzählt Stories aus Italien, wo er im Restaurant nie zah- len musste, weil er fast heiliggesprochen wurde. Aber nach zwei, drei Wochen ist er einfach der Chefcoach Miro Klose. Ein Mensch wie jeder andere. Das ist ihm auch hoch anzu- rechnen, er ist sehr bodenständig geblieben. Nach Altach wurdest du zum Weltenbummler: Erst Finn- land im Winter, dann Bulgarien. Wie kam das zustande? Nach meiner Zeit in Altach, wo ich viel gespielt habe, kam ein Bruch. Ich hatte in drei Jahren fünf Trainer und drei Sportdirektoren. Mein Vertrag lief aus und ich musste mich neu orientieren. Das Geschäft ist so hart. Mein Berater kam dann mit Finnland um die Ecke: „Geh da für fünf Monate hin, spiel dich wieder in die Auslage.“ Also bin ich zum FC Lahti. Eine Sportstadt, wir haben in einem riesigen Stadion gespielt, direkt hinter dem Tor war die Skisprungschanze. Wenn du trainiert hast, hörtest du manchmal ein Pfeifen und dann sprang da einer runter. Und danach ins warme Bulgarien… Genau, Spartak Varna. Das war das komplette Kontrastpro- gramm. Ich hatte Glück, der eisigen Kälte Finnlands von mi- nus 36 Grad gerade entkommen zu sein. In Bulgarien bin ich nach dem Training fünf Minuten an den Strand gefahren und ins Meer gesprungen. Aber kulturell war das ein Wahnsinn. Beim ersten Training dachte ich: „Was ist das für ein Bade- kick?“. Die Einstellung zum Training war gleich null, in der Kabine lief laute Musik, es war ein riesiges Durcheinander, gerade dass sie kein Bier aufgemacht haben. Aber: Sobald das Spiel anfi ng, haben die den Schalter umgelegt. Die sind in die Zweikämpfe „gerauscht“, das hast du nicht gesehen. Eine ganz andere Mentalität. Helfen dir diese vielfältigen Erfahrungen jetzt hier in Re- gensburg? Ja, man wird durch solche Erlebnisse schneller erwachsen. Ich bin 24, fühle mich aber oft älter, weil ich schon so viel gesehen habe – verschiedene Kulturen, Mentalitäten, Exis- tenzkampf. Wenn du in einer Kabine mit zwölf Nationen sitzt, lernst du Menschen besser einzuschätzen. Das hilft dir fürs Leben danach. Foto: Janne Foto: Köglmeier 16 JAHNZEITAUSGABE FEBRUAR | 2026„ Durch diese Erlebnisse wird man schnell erwachsen. Ich bin 24 Jahre und fühle mich oft älter, weil ich viel gesehen habe – ver- schiedene Kultu- ren, Mentalitäten, Existenzkampf. Du lernst Menschen besser einzuschät- zen. Das hilft dir fürs Leben danach.” Du bist im Sommer nach Regensburg gekommen und hast sofort eine Führungsrolle übernommen. War das der Plan? Ich bin gerne einer, der vorangeht und auch mal laut ist. Das bin einfach ich. Ich verstecke mich nicht, auch wenn ich selbst Fehler mache. Ich will jeden spüren lassen, dass ich für den Verein alles gebe. In der Szene in Cottbus zum Bei- spiel, wo ich mich mit der gegnerischen Bank angelegt habe – das passiert einfach aus der Emotion heraus. Da ist es mir egal, wer da draußen steht, und wenn es Bayern München ist. Ich gehe „All-In“ für meinen Verein. Die Hinrunde war eine Achterbahnfahrt. Wie nimmst du die 3. Liga wahr? Es ist eine brutal physische Liga. Alles ist extrem eng. Du spielst gegen Aachen oder Hansa Rostock vor vollem Haus, und dann gegen Hoff enheim II oder Verl vor wenigen Zu- schauern. Da denkst du kurz: „Was ist das heute für ein Freundschaftsspiel?“. Du musst diesen Schalter im Kopf um- legen können. Es gibt in dieser Liga kaum Teams, die Spiele allein durch individuelle Klasse entscheiden, wie ein Salah bei Liverpool, der mal eben zwei ins Kreuzeck haut. Hier zählt das Kollektiv. Der Start war holprig, doch zuletzt wirkte das Team gefestigter. Was ist das Credo für die Rückrunde? Wir sind reifer geworden. Wir waren 14 neue Spieler, das braucht Zeit. Am Anfang haben wir diesen kompromiss- losen Drittliga-Fußball vielleicht nicht ganz an- genommen, wo dir der Gegner „den Schneid abkauft“. Aber wir haben uns da rausge- arbeitet. Es gibt da einen Spruch, den ich sehr mag: „Trainiere, als hättest du noch nie gewonnen, und spiele, als hättest du noch nie verloren.“. Diese Konstanz, die- se 100 Prozent Leidenschaft in jedem Zweikampf, das brauchen wir. Foto: Köglmeier 17 JAHNZEITAUSGABE FEBRUAR | 2026Im Laufe der Hinrunde gab es einen Wechsel auf der Posi- tion des Sportgeschäftsführers. Achim Beierlorzer musste gehen, Alexander Schmalhofer übernahm. Wie gehst du damit um? Erstmal war es sehr schade, dass der Achim gehen musste. Das ist der Fußball, so funktionieren die Mechanismen leider. Da hinterfragt sich jeder Spieler selbst, denn wir stehen auf dem Platz und sind mitverantwortlich. Es geht um Arbeits- plätze. Aber der Weg muss weitergehen. Mit Alex haben wir einen sehr kompetenten Mann bekommen. Wir kannten uns sogar schon aus Salzburg, da war er Datenanalyst. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Abschließend noch ein Blick auf das Drumherum: Du wirkst wie ein sehr refl ektierter, aber auch kreativer Mensch. Passt gerade die Stadt Regensburg da zu dir? Absolut. Der Verein ist sehr familiär, beim Neujahrsemp- fang kannst du von Tisch zu Tisch gehen und mit jedem „ratschen“. Und die Stadt ist sehr lebenswert. Man kann an der Donau abschalten, die Leute lassen dich in Ruhe. Ein sehr guter Freund von mir, Matthias Seidl, ist Kapitän bei Rapid Wien; der kann nach einer Niederlage nicht einkau- fen gehen, ohne blöd angeredet zu werden. Das ist hier an- ders, das ist das bayerische Gemüt. Ich fühle mich extrem wohl und bin gespannt auf den Sommer – ich habe schon gehört, dass es hier das ein oder andere gute Musik-Event geben soll. ag „ Am Anfang haben wir diesen kompromiss- losen Drittliga-Fuß- ball vielleicht nicht ganz angenommen, wo dir der Gegner „den Schneid ab- kauft“. Aber wir haben uns da raus- gearbeitet. Diese Konstanz, diese 100 Prozent Leiden- schaft in jedem Zweikampf, das brauchen wir.” Foto: crs.view JAHNZEITAUSGABE FEBRUAR | 2026 18Next >